Spielberichte

Frauen-Verbandsliga: Nettelstedt daheim 28:36 - Desolate Vorstellung schockt Waldmann

Von Volker Krusche

Nettelstedt(WB). So hat man Thorsten Waldmann noch nicht gesehen: Seine Miene hatte sich total verfinstert, ein Gesichtsausdruck, der Blut gefrieren ließ. Es war etwas passiert – und zwar nichts Gutes. Seine Verbandsliga-Handballerinnen vom TuS Nettelstedt lieferten eine katastrophale Leistung ab, kamen daheim gegen Kellerkind TuS Brockhagen sensationell mit 28:36 (16:19) unter die Räder.

 Nur gut, dass der sportliche Auftakt des Tages auf den am Abend in Nettelstedt folgenden Wintertraum keinen Einfluss hatte. Die Vorstellung der TuS-Damen hatte schon Befürchtungen geweckt. »Was soll ich zu dieser Vorstellung sagen? Ich verstehe sie nicht«, so »Waldi« Waldmann. »Jerry und ich haben im Vorfeld immer und immer wieder darauf hingewiesen, dass Brockhagen zu den körperlich stärksten Teams der Klasse zählt und einzig über den Kampf zum Erfolg kommen kann. Aber meine Damen haben nichts davon umgesetzt, was gegen diese Gegner erforderlich gewesen wäre. Ich bin stinksauer!« Das lag aber auch an der an den Tag gelegten Einstellung seines Teams. »Von der ersten Sekunde, als beide Mannschaften das Spielfeld zum Aufwärmen betraten, war deutlich zu erkennen, dass Brockhagen emotionell voll da war und zudem noch viel wacher als wir wirkte. Schon da hatte ich kein gutes Gefühl.«

Und das sollte ihn im Spiel nicht trügen. Nach ausgeglichener Anfangsphase wurde schnell deutlich, dass die beiden fest eingeplanten Punkte, die dazu dienen sollten, in der Spitzengruppe zu bleiben, nur schwer würden eingefahren werden. Es lief einfach nicht. Vor allen Dingen in der Abwehr, die diesen Namen am Samstag nicht verdiente. »Mit 28 geworfenen Toren müssen wir daheim gewinnen. Aber wir lassen uns sage und schreibe 36 einschenken«, ärgerte sich Trainer Waldmann. Aus dem 4:4 (6.) wurde binnen vier Minuten ein 4:7. Dabei hatten die Gäste im Angriff nicht gerade das Rad neu erfunden. Wer aber in der Defensive nicht zupackt, der wird auch von einem schwächeren Gegner bestraft. Brockhagen hielt bis zur Pause die Drei-Tore-Führung und nutzte nach dem Seitenwechsel neben den Deckungsproblemen auch die vielen Nettelstedter Ungereimtheiten im Angriff – in dem Sophie Hyvoenen einen dauerhaften Schatten begleitete - aus, um nie in Gefahr zu geraten, die zwei wichtigen Punkte im Kampf um den Klassenverbleib noch aus den Händen zu geben. Aus der 19:16-Pausenführung machte Brockhagen durch einen schnellen Dreierpack ein 22:16. Nichts ging mehr beim TuS, der in der Folge ständig mit sechs bis acht Treffern hinten lag und froh war, als der Schlusspfiff das Desaster beendete. Thorsten Waldmann: »Wir haben zuletzt sechs überragende Trainingseinheiten absolviert, legen dafür in den Spielen in Oberlübbe und gegen Brockhagen eklatant schwache Leistungen hin.«

TuS Nettelstedt: Berning, Lichtsinn; Walter (1), Borgmann, Hyvoenen (2/2), Borgmann, Bolduan (5), Gerling (1), Heitmann, Kruse (3), Olbrich (3), Schwier (11/2), Schubauer (2).

Quelle: Westfalen-Blatt Lübbecke vom 30. Januar 2017