Handball-Landesliga: Wehe verdient sich ein sensationelles 36:36 gegen Nettelstedt II - Kein Erdbeben, aber eine kleine Eruption

Von Volker Krusche

Rahden(WB). Hitchcock-Momente in der Rahdener Stadtsporthalle. Erst ein drei Sekunden vor Spielende verwandelter Siebenmeter von Rene Glöckner rettete Landesliga-Spitzenreiter TuS Nettelstedt II einen Punkt im Kreisderby beim TuS SW Wehe. Die Schwarz-Weißen hatten sich das 36:36 (19:18)-Unentschieden redlich verdient.

 »Das war unser bestes Saisonspiel«, jubelte Marcel Ihlenfeld nach dem Schlusspfiff, keinesfalls traurig, dass es »nur« zu einem Punkt gereicht hatte. »Ich bin einfach nur superglücklich. So konstant habe ich meine Mannschaft über 60 Minuten noch nicht spielen sehen. Wir haben in der Landesliga zwar kein Erdbeben ausgelöst, aber zumindest für eine kleine Eruption gesorgt!« Den Hausherren merkte man in einem sehenswerten, von überragender Stimmung geprägten Nachbarschaftsduell (Ihlenfeld: »Riesen-Kompliment auch an die Nettelstedter Fans«) von der ersten Minute eine Entschlossenheit an, die sich ihr Coach nur allzugern in jedem Spiel wünschen würde. Taktisch gut eingestellt, spielten dessen Schützlinge den Ball vorne nach entsprechenden Auslösehandlungen so auf den Punkt, dass sie die sich offenbarenden Defensivschwächen der Nettelstedter im Eins-gegen-Eins-Spiel immer wieder zu nutzen verstanden. Das erkannte auch Gästetrainer Michael Jankowski an. »Wehe hat das sehr gut gemacht und sich den Punkt redlich verdient. Wir haben heute in der Abwehr überhaupt nicht vernünftig gestanden. Da lag unser größtes Problem. Jan Schröder ist nach seiner Grippe noch nicht wieder richtig fit und das Fehlen von Maurice Schirge hat sich auch nicht gerade positiv ausgewirkt. Unser Innenblock hat gefühlt höchstens zwei Bälle geblockt. Er war heute nicht da. Zudem haben wir es nie geschafft, mal zu Zweit zu decken, sondern mussten immer ins Eins-gegen-Eins gehen. Wir waren einfach zu langsam auf den Beinen.« Dabei schien es so, als könne sich der Favorit nach einer mit hohem Tempo geführten Anfangsphase, die einem offenen Schlagabtausch gleichkam, mit zunehmender Zeit absetzen. Nettelstedt machte aus dem 5:5 ein 9:5 (11.) und hielt das Polster bis zum 12:8 (16.). Obwohl Wehe beim 11:12 wieder dran war, legte der TuS noch einmal zum 16:12 (21.) nach. Dann folgte aus Sicht von Michael Jankowski die möglicherweise mitentscheidende Phase, als sein Team innerhalb von gut sechs Minuten zweimal in doppelte Unterzahl geriet. »Da war dann der schöne Vorsprung wieder futsch.« Und die Hausherren merkten immer deutlicher, dass hier und heute gegen einen zumindest in besagter Defensive schwächelnden Ligaprimus vielleicht doch mehr als nur ein achtbares Resultat möglich sei.

Der großartige Kampf hatte bis dahin schon gestimmt, nun aber wurde auch das Selbstbewusstsein und der Glaube an sich selbst immer größer. Aus besagten Vier-Tore-Rückstand wurde beim 18:17 die erste Führung, mit der die Schwarz-Weißen auch den Pausentee einnehmen konnten. Im zweiten Abschnitt setzte sich der offenen Schlagabtausch fort, wobei sich auf beiden Seiten die Torhüter dennoch ein ums andere Mal in Szene setzen konnten. Sonnst wäre wohl die 40er-Marke hüben wie drüben geknackt worden. Die Führungen wechselten ständig. Als die Gäste aus dem 28:29 binnen zwei Minuten ein 31:29 machten und einen Konter nach Ballgewinn einleiteten, schien die Vorentscheidung möglich. Doch der Pass landete beim starken Steffen Lohmeier, der seinerseits im Gegenstoß traf. Statt des 32:29 lag Nettelstedt wenig später gar 31:32 hinten. Die Gäste drehten den Spieß aber wieder zum 34:33 um, Wehe konterte 26 Sekunden vor Spielende zum 36:35. Dann durfte René Glöckner zum finalen Siebenmeter antreten – und verwandelte. Eine gerechte Punkteteilung in einem echten Krimi. Rein nach Alfred Hitchcock.

TuS SW Wehe: Hartlage (8 Paraden), Giese (ab 21., 9 P.); Hesse, Wegner (6), Lohmeier (7), Tinnemeier, Lüttermann, Hensel (3), Clemens (13/6), Bruhn (4), Ellers, Ihlenfeld (3), Schwacke

TuS Nettelstedt II: M. Schröder (16 P.), Wesemann (bei einem 7m); Glöckner (7/7), Linné (7), Kruse (1), Steinhauer, Pohnke (6), Oevermann (1), J. Schröder (2), Schulz (8), Byczynski (4)

Quelle: Westfalen-Blatt Lübbecke vom 06. Februar 2017